© alle Fotos (außer wenn gesondert angegeben): Eveline Rabold

Von Besen und Bürsten

Objektinstallation von Sabine Maier [machfeld] und Eveline Rabold 11 Objekte (5 Eisenquader mit Videos bzw. Gegenständen, 6 bedruckte bzw. beklebte Plexiglastafeln) Stadtpark Oberwart 2008 / im Rahmen des Projektes"zone38" Friedensburg Schlaining 2009 / im Rahmen der Ausstellung "Konsens und Konflikt / Burgenlandschicksal 1922–1938"

 

Sabine Maier [machfeld] und Eveline Rabold erarbeiten in dieser Installation eine Erinnerung an die Geschehnisse rund um den 12. März 1938 – ausgehend von Vorfällen in Oberwart selbst. Zeitzeugen berichten, dass in den Tagen unmittelbar nach dem Anschluss in Oberwart die jüdischen Mitbürger – hauptsächlich Juristen, Geschäftsleute, Ärzte – dazu gezwungen wurden, den Gehsteig vor dem Stadtpark zu kehren bzw. zu säubern. „Und andere Oberwarter Bürger standen mit dem Karabiner daneben ...“, so ein Zeitzeuge. Diese Angaben wurden von anderen Zeitzeugen bestätigt.

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In den elf Objekten werden Demütigung, Vertreibung, das Nichtwiederkehren der jüdischen Bevölkerung sowie der politische Alltag und die emotionale Stimmung der Gesellschaft 1938 in Oberwart thematisiert.


Mit den Plexiglastafeln nehmen die Künstlerinnen poetisch Stellung zum Thema. Momentaufnahmen einzelner Begebenheiten, Aussagen etc. formen sich zu Text-Bildcollagen. Der inhaltliche Bogen spannt sich von Auszügen aus der Oberwarter Sonntagszeitung und einem Gedicht einer im Arbeitslager umgekommenen Jüdin bis hin zu einem Zitat von Stefan Zweig. So wird die Rückbezüglichkeit von Oberwart zu den Geschehnissen in ganz Österreich bzw. Europa hergestellt. Das verwendete Bildmaterial stammt zur Gänze aus dem Burgenland.


Die fünf Eisenquader sind unterschiedlich gefüllt und stehen für unterschiedliche Begriffe:
"Die Demütigung" – Die jüdische Bevölkerung wurde gezwungen, mit Besen und Bürsten den Gehsteig vor dem Park zu säubern. Der Quader ist mit diversen Bürsten gefüllt und steht für diesen Akt der Demütigung.
"Das Nichtwiederkehren" – Ein leerer Eisenquader symbolisiert Flucht, Vertreibung und den von da an leeren Platz in der gesellschaftlichen Vielfalt von Oberwart.
"Die Politik und Bürokratie" – Zeitungsartikel aus verschiedensten Zeitungen von 1938 und diverse Dokumente vermitteln politische Vorgänge und den bürokratischen Umgang mit Minderheiten.
Video1 „Der Alltag“ – Zeitungsartikel, Inserate, Kinoprogramme aus der Oberwarter Sonntagszeitung, Fotos zeigen die alltäglichen Abläufe. Das Leben nimmt seinen Lauf – ungeachtet der politischen Vorfälle und gesellschaftlichen Veränderungen.
Video2 „Die Gesellschaft“ – Gesellschaftliches Leben in den Jahren 1933-45, zusammengestellt aus Archivmaterial aus dem Burgenland.
 
Die Einladung zur Vernissage ist auch an Avi Rosen aus Israel gegangen. Er hat seiner Schwiegermutter, die aus Wien stammt und als Jüdin vor den Nazis flüchten musste, von der Installation erzählt. Die Schwiegermutter war vom Projekt sehr angetan. Es hat sich spontan ein Interview ergeben, das Avi Rosen mit der Kamera dokumentierte und auf youtube veröffentlicht hat. Die so enstandenen, berührenden Filmsequenzen sind unter folgenden Links erreichbar
http://www.youtube.com/watch?v=C2Kv-fVjJko

http://www.youtube.com/watch?v=W-gN_TvjMJs

http://www.youtube.com/watch?v=hWn_MawExPE

 

Fotos Installation Stadtpark: Michael Mastrototaro