© alle Fotos (außer wenn gesondert angegeben): Eveline Rabold

Blicke Fokus Faltungen

von Mag. Jasmin Haselsteiner-Scharner (Jänner 2012)

Eveline Rabolds fotografisches Hauptinteresse gilt dem Körper und seinen verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten. Zumeist sind es weibliche Körper, von denen sie nur ausschnitthaft Teile preisgibt, die sonst im Verborgenen bleiben. In diesen leisen, unaufdringlichen Bildern werden flüchtige Augenblicke festgehalten, um zu überdauern. Verschiedene Facetten von Körperlichkeit und Bewegung werden dabei verdeutlicht und transformiert.

 

Die sehr reduzierte, zurückhaltende Formensprache erlaubt dem Betrachter sich in den Bildern zu verlieren und persönliche Reflexionen zuzulassen.
Weiche, unaufdringliche Ausleuchtung und zarte Schattenführung mit Pastelltönen heben die Sinnlichkeit der runden, weich fließenden Formen hervor. Die poetische Sprache ihrer Bilder verdeutlicht sich in unprätentiösen, unspektakulären Gesten.

 

Rabolds Arbeiten sind stets als Serie angelegt. Wie der Rhythmus einer Melodie folgen auch sie einem bestimmten Takt von auf und ab, Vor- und Zurückbewegungen. Erst in der gemeinsamen Hängung lassen sich die oft großformatigen Arbeiten in ihrem Klang vollends erschließen.

 

Auch ihre Porträts, in denen sie häufig selbst Protagonistin ist, konzentrieren sich mittels starker Reduktion auf das Wesentliche. In „Schau!“ (2011) sind es nur Andeutungen, die die Fotografin mit den an den Bildrand gerückten Gesichtern preisgibt. Durch das Verbergen wesentlicher Gesichtspartien verstärkt sie die Wirkung der eindringlichen Blicke und lässt diese für sich selbst sprechen. Unterstützt durch farbkräftige Hintergründe werden aus angedeuteten Gesichtsfragmenten lebendige Charakterstudien.

 

Die Arbeit „Drinnen und Draußen“ (2011) reflektiert verschiedene Bewusstseinszustände der Künstlerin. In diesen verdichteten Nahaufnahmen werden das kontemplative In-sich-gekehrt-sein und somit Verschließen gegenüber der Umwelt dem aktiven Wahrnehmen ihrer Umgebung und Partizipieren an einer Außenwelt gegenübergestellt.

 

Die leisen Arbeiten „Ohne mich“ (2011), sowie „Und jetzt“ (2011) zeigen in zarten Farbtönen immer wieder dieselbe Frau. Im Diptychon konzentrieren sich die closeups auf den verzweifelten Gestus einer verletzten Frau, die ihr Gesicht mit den Händen zu verstecken sucht. Der Titel „Ohne mich“ steigert diese innere Bedrücktheit in selbstzerstörerische Verzweiflung. 
In „Und jetzt“ scheint ein Neuanfang begonnen: Der vorsichtige, sensible Blick der Fotografierten richtet sich in eine ungewisse, aber hoffnungsvolle Zukunft.

 

Mit ähnlicher Gestaltungsweise operiert die Künstlerin auch in der vierteiligen Arbeit „Versteck“ (2012). Dabei sind es bei diesen Bildern die dunklen Haare der Porträtierten, die ihr Gesicht verbergen. Jedoch scheint sie vielmehr ihren Kopf im Takt der Musik zu bewegen, als sich mit ihren Haaren zu verhüllen.

 

Bei den „Faltungen“ (2009) werden Fragmente weiblicher Körperteile in einfache Formen modifiziert. Durch partielle Schattensetzung entstehen in den fast monochromen, warmen Bildern Tiefen und Höhen gleich einem Canyon. Diese erotischen Körper-Landschaften arbeiten stark mit dem Verstecken und Verbergen, dem Andeuten und Erahnen lassen, sodass dem Betrachter die Möglichkeit geboten wird, sich völlig in ihnen zu verlieren.

 

In der Serie „Verstrickungen“ (2012) sind es die Körper zweier Tänzer und einer Tänzerin, die sich ineinander verwinden. Dabei lösen sich die Knoten der Gliedmassen innerhalb der Sequenz von verdichteten Aufnahmen wirr über- und ineinander liegender Körperteile hin zu narrativen Bildern auf. Durch den bewussten Einsatz von Mehrfachschatten entstehen Wiederholungen der Körperformen, die in den reduzierteren Arbeiten diese in reine Formen abstrahieren. Haare, Muttermale etc. treten dabei in ein spannendes Wechselverhältnis mit den ebenmäßig glatten Hautoberflächen.

 

Stets ist es das Ephemere – flüchtige Posen, kurze Blicke, rasche Bewegungen – das Eveline Rabold in ihrer fotografischen Untersuchung des Körpers interessiert. In den poetischen, unprätentiösen Bildern versucht sie dieses Momenthafte für mehr als nur die Dauer eines Augenblicks festzuhalten.

 

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